Störe in der Havel

Geschrieben von Jörn Gessner am .

Versuchsbesatz am Wehr Bahnitz (Havel)Gute 100 Jahre nachdem das Wehr bei Bahnitz den Stören den weiteren Weg die Havel hinauf verbaut hat, fand am 24.10. dieses Jahres ein erster Versuchsbesatz an dieser Stelle statt. 250 Jungstöre machten sich von hier auf, die untere Havel zu erkunden und den Weg in die Elbe zu suchen. Bei Wassertemperaturen von ca. 10°C und extrem guter Sichttiefe von über 2,5m konnten die ersten Schwimmversuche der kleinen Störe in Freiheit lange verfolgt werden. Mit dem Besatz der 2011er Nachzuchten aus Frankreich, der gemeinsam mit der Fischereischutzgenossenschaft Havel und dem Institut für Binnenfischerei in Potsdam durchgeführt wurde, soll in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Fischerei untersucht werden, wie die Tiere im Havelsystem abwachsen und abwandern. Zu diesem Zweck wurden 20% der Tiere mit externen Marken ausgestattet, um der Fischerei die Erkennung der Besatzfische zu erleichtern. Der Besatz ist Teil der Untersuchungen zur Eignung der Lebensräume im Elbegebiet, die im Rahmen des E&E Vorhabens des BfN durchgeführt werden.Markierter Jungstör

Das Havelsystem wurde von den Stören auf ihrer Laichwanderung in die Spree genutzt. Der letzte Stör wurde 1868 an der Kurfürstenbrücke in Berlin gefangen. In der unteren Havel wurden Einzelfänge bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt, bevor ihnen die Wehranlagen den Weg vollständig verlegten. Das Land Brandenburg bemüht sich im Rahmen seines Wanderfischkonzeptes Wanderfische in Brandenburg unter anderem um die Durchgängigkeit des Havel-Spree Systems, in dem Störe früher bis in den Spreewald an die sächsische Grenze aufgestiegen sind.