Nachruf Professor Dr. Ryszard Bartel

Geschrieben von Jan Hallermann am .

Am 12.7.2020 verstarb in seinem 85sten Lebensjahr unser langjähriger Wegbegleiter und Unterstützer des Ostseestörprojektes, Professor Dr. Ryszard Bartel.

 

Ryszard war von Haus aus ein Wissenschaftler, der sich während seiner gesamten, langen Karriere intensiv um die Stützung und Erhaltung von Wanderfischen in Polen verdient gemacht hat. Sein gesamter beruflicher Werdegang seit der Promotion bei Prof. Backiel war dabei vor allem eng mit der Erhaltung und dem Management der Bestände von Lachs und Meerforelle verbunden. Ryszard war treibende Kraft dieser Arbeiten sowohl im Morski Instytut Rybacki (MIR) in Gdynia als auch im Instytut Rybactwa Śródlądowego (IRS), in dem er die Außenstelle für Wanderfische in Gdansk bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst geleitet und geprägt hat. Die polnischen Wanderfischprogramme haben unverkennbar Ryszards Handschrift getragen. Dabei hat er neben dem Erhalt und Management der Bestände auch immer deren Nutzung und damit die Unterstützung der Fischerei im Auge gehabt.

Ryszards Interesse am Stör hat sich Mitte der 1990er Jahre zaghaft mit einem Konzeptpapier führender polinischer Wissenschaftler zur Arterhaltung der polnischen Wanderfische begründet und entwickelt. Als überzeugter Internationalist war Ryszard früh in die Gremienarbeit im ICES und bei der Helcom eingebunden. Hier hat uns der Stör 1996 bei einem ersten Treffen der HELCOOM Projektgruppe zusammengebracht – der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit und wunderbaren Freundschaft!

Ryszard hat in der Folge dieses ersten und weiterer Treffen die Anbahnung und Umsetzung der Arbeiten zum Stör in Polen fundamental unterstützt und aktiv begleitet und dabei auch vor körperlichem Einsatz nicht zurückgeschreckt. Unvergessen ist die etwas schaurige Episode einer gemeinsamen Probennahmefahrt auf der Drawa, bei der der Bootsführer in verhängnisvoller Unterschätzung eines quer im Wasser liegenden Baumes das Boot kentern ließ und wir Ryszard (damals schon weit in den Sechzigern) aus dem eiskalten Wasser bergen mussten. Diese Widrigkeiten haben Ryszard nicht abschrecken können, auch weiterhin aktiv an der Feldarbeit teilzunehmen. Unermüdlich hat er sich auch im Störprojekt für die aktive Einbindung der polnischen Fischzüchter stark gemacht und die gemeinsamen Arbeiten auch gegen interne Widerstände durchgesetzt. Bis zu seinem Tod hat er die Arbeiten für das Management und die Besatzmaßnahmen von Lachs, Meerforelle, Zährte und Stör in Polen in seinen Händen behalten, diese aktiv koordiniert und deren Finanzierung gesichert und verwaltet. Für das Störprojekt ist dieser Verlust umso trauriger, da Ryszard immer ein verlässlicher Mittler und Kontaktmann mit exzellenten Verbindungen über das ganze Land war und in dieser Rolle so manchen politischen Hemmschuh zu überwinden geholfen hat.

Mit Ryszard Bartel verliert Polen einen seiner auch international bedeutendsten Fischereiforscher, einen Vollblutenthusiasten auf seinem Wissenschaftsgebiet, der Polens Fischereiforschung und Fischerei nachhaltig geprägt hat, aber auch einen geselligen und herzensguten Menschen.

Wir werden ihn immer als einen engagierten Wissenschaftler aber auch sehr guten persönlichen Freund in Erinnerung behalten.

Jörn Geßner und Gerd-Michael Arndt, Juli 2020